Alle Macht den Räten!

September 13, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Wer sich in Venezuela auf kommunaler Ebene organisiert, der kann auf weitreichende Unterstützung von Seiten des Staates zählen. Die Möglichkeiten der Partizipation und Selbstorganisation sind vielfältig, finden aber zum großen Teil in Form der Consejos Comunales („kommunalen Räte“) statt. Diese stellen die unterste Ebene des „kommunalen Staates“ dar, der langfristig erreicht werden soll.

Innerhalb der letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit, mehrere kommunale Projekte zu besuchen. Die Idee und Initiative für deren Entwicklung und Ausführung kam dabei entweder aus Consejos Comunales oder aus anderen kommunal organisierten Gruppen heraus.

Zuletzt besuchte ich ein Projekt der urbanen Landwirtschaft im Stadtteil Antímano in Caracas, das von einem Kollektiv aus 16 Familien organisiert wird. Seit zwei Jahren betreiben die Aktivisten einen Gemüsegarten und eine Fischzucht. Der Ertrag wird an die umliegende Bevölkerung und auf einem Markt im Zentrum von Caracas zu solidarischen Preisen verkauft. Unterstützt wird das Projekt von der Mission Gran Misión AgroVenezuela, die Material und finanzielle Hilfe zur Verfügung stellt, den Vertrieb der Produkte übernimmt und verschiedene Kurse der Aus- und Weiterbildung anbietet.

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Maßnahmen für die Nahrungssouveränität

September 8, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

          Teile des folgenden Beitrags habe ich aus diesem Artikel übersetzt.

Seit Hugo Chávez 1998 zum Präsidenten gewählt wurde ist die Nahrungsmittelsouveränität ein wichtiges Thema in Venezuela. Nur wenn die inländische Landwirtschaft ausgebaut wird, kann die nach wie vor starke Abhängigkeit von Lebensmittelimporten eingeschränkt werden. Um diese Entwicklung voranzutreiben setzt die Regierung sowohl auf die Stärkung von kleinbäuerlichen Strukturen und Kooperativen als auch auf den Aufbau staatlicher Betriebe.

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Die Importabhängigkeit – Ein Erbe der Vierten Republik

Auch die BewohnerInnen der Stadt Caríbia leisten ihren Beitrag zur Erreichung der Nahrungssouveränität Venezuelas (Foto: Manu)

Venezuela muss heute starke Anstrengungen unternehmen, um eines der fatalsten Erben zu beseitigen, das von den Vorgängerregierungen zurückgelassen wurde. Durch die immensen Ölrenten begünstigt, vernachlässigten diese völlig die Entwicklung des landwirtschaftlichen und industriellen Sektors.

Ende des 19. Jahrhunderts war Venezuela hinter Brasilien und den niederländischen Karibikinseln der drittgrößte Kaffeeexporteur der Welt. Doch mit Beginn der Erdölförderung zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor die Landwirtschaft immer mehr an Relevanz. Staat und Kapital stürzten sich auf das gewinnbringende Öl. Durch das Fehlen jeglicher technischer oder finanzieller Unterstützung für die Bauern, beschränkte sich die Landwirtschaft fast vollständig auf Subsistenzwirtschaft. Nordamerikanische Agrarexporte überschwemmten den venezolanischen Markt und leisteten dadurch zur weiteren Zerstörung der Landwirtschaft ihren Beitrag. Vor Beginn der Chávez-Regierung importierte Venezuela 70% der Nahrungsmittel, der Agrarsektor machte nicht einmal 5% des BIP aus.

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Die wirtschaftliche Umgestaltung Venezuelas

September 5, 2012 1 Kommentar

Von Manu und Jakob

Treffen mit dem Gewerkschaftsaktivisten Denis Sucre im Aluminiumwerk Alcasa in Guayana

In den 13 Jahren Chávez-Regierung konnten in Venezuela bereits enorme Fortschritte im sozialen Bereich erzielt werden. Die kapitalistische Wirtschaft besteht jedoch – trotz aller Bemühungen – weitgehend fort. Schon auf die ersten ökonomischen Maßnahmen der bolivarianischen Regierung im Jahre 2002 (Nationalisierung des Erdölunternehmens PDVSA, Agrarreform,…..) reagierte die Elite des Landes mit einem gewaltsamen Putschversuch (April 2002) und einem Unternehmerstreik (Dez/Jan 2002/03), der das Land wochenlang lahmlegte. Das Ziel der oppositionellen Kräfte war der Sturz der Regierung und die Ausschaltung von Hugo Chavez. Dies konnte jedoch nicht erreicht werden. Stattdessen resultierte aus den Destabilisierungsversuchen eine bessere Organisierung des venezolanischen Volkes, das sich durch die aktive Verteidigung ihres Präsidenten mehr als zuvor mit der bolivarianischen Revolution identifizierte.

Insbesondere die Arbeiterbewegung ging gestärkt aus dem Unternehmerstreik hervor. Ihr Beitrag, die Wiederaufnahme der Produktion in Selbstorganisierung, war fundamental für die erfolgreiche Abwehr des Angriffs der Opposition. Dies führte zu Entwicklung von Selbstbewusstsein und praktischer Erfahrung mit Arbeiterselbstkontrolle.

Mit der Verkündung der Verstaatlichung von Sidor, dem größten Stahlwerk Lateinamerikas, und anderen wichtigen Betrieben in Ciudad Guayana im Bundesstaat Bolivar, unternahm die Regierung im Jahr 2008 einen wichtigen Schritt in Richtung eines neuen Wirtschaftssystems. Dieser Initiative waren harte Kämpfe der Arbeiterbewegung vorausgegangen, die die Verstaatlichung der Betriebe gefordert hatten.

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Teil 2: Besuch zweier landwirtschaftlicher Kooperativen

August 24, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

von Jakob und Manu

Die alte Zuckerrohrwalze gibt Saft (Foto: Manu)

Die letzten Tage über besuchten wir zwei Landwitschaftskooperativen in der Nähe der Stadt Barinas, im Osten Venezuelas. Das von den Kooperativen bewirtschaftete Land war im Zuge der seit 2002 begonnenen Agrarreform verstaatlicht und daraufhin an vier Kooperativen übergeben worden. Vor Beginn der bolivariansichen Revolution hatten sich Großgrundbesitzer dieses Land nach und nach immer weiter angeeignet und die dort lebenden Bauern vertrieben. Im Zuge der Entstehung der Kooperativen konnten einige von ihnen auf das vormals ihnen gehörende Land zurückkehren.

Zwei der Kooperativen sind in den ersten Jahren nach ihrer Entstehung aufgrund von internen Problemen gescheitert. Die anderen beiden haben jedoch eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht und bestehen heute aus 27 Familien, die 750 Hektar Land kollektiv bewirtschaften.

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Teil 1: Die venezolanische Bauernbewegung und ihre Kämpfe

August 24, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

von Jakob und Manu

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Eduardo (Kooperativenmitglied) erklärt die Situation der Bauernbewegung (Foto: Manu)

In ganz Venezuela entfalten Bauern eine Vielzahl politischer Aktivitäten. Ein großer Anteil von ihnen organisiert sich in der größten und aktivsten venezolanischen Bauernbewegung, der Frente Nacional Campesino Ezequiel Zamora (FNCEZ). Diese ist sehr kämpferisch und gut organisiert. Trotz oder gerade wegen über zweihundert ermordeten Bauernaktivisten in den letzten zehn Jahren ist die Bewegung am Fortschreiten der bolivarianischen Revolution in hohem Maße interessiert. Hugo Chávez und dem Prozess, den er verkörpert, sichern sie deshalb volle Unterstützung zu. Dies gilt jedoch unter der Bedingung, dass dieser auch wirklich tiefgreifende Veränderungen der Verhältnisse auf dem Land vorantreibt. Was sind das für Veränderungen die die Bewegung anstrebt und was sind ihre historischen Wurzeln?

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Sozialer Wohnungsbau und die Stadt Caríbia

August 18, 2012 1 Kommentar

Häuserblöcke der neuen Stadt Caríbia (Foto: Manu)

Eines der drängensten Probleme für die venezolanische Bevölkerung ist der fehlende Wohnraum. Vor zwei Jahren wurde die Situation durch schwere Überschwemmungen und damit einhergehende Erdrutsche weiter verschlimmert. Tausende Menschen verloren durch die Unwetter ihre Wohnungen, viele von ihnen warten noch immer in Notunterkünften auf ein neues Zuhause.

Mittlerweile ist der Wohnungsbau eine der obersten Prioritäten der Regierung. Im Rahmen der staatlichen Initiative Gran Mision Vivienda werden hohe Investitionen getätigt. Der zuständige Minister Rafael Ramírez versichert, es gäbe keine venezolanische Baufirma, die nicht am Bau von sozialen Wohnungen beteiligt wäre (1). Zwischen 2012 und 2017 sollen rund 1,8 Millionen neuer Wohnungen entstehen. Um die Pläne zu erfüllen kooperiert Venezuela mit den Ländern China, Russland, Kuba, Weissrussland und Brasilien. Trotz aller Anstrengungen ist es noch ein weiter Weg, bis das Recht jedes Venezolaners und jeder Venezolanerin auf eine „angemessene, sichere, bequeme, hygienische, mit essenzieller Grundversorgung ausgestattete Wohnmögichkeit“ (Art.82) erfüllt wird, so wie es in der neuen bolivarianischen Verfassung von 1999 festgeschrieben ist.

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Venezuela – Ein Überblick

August 16, 2012 Hinterlasse einen Kommentar

Für das Verständnis der heutigen Prozesse in Venezuela ist zuerst eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse der letzten Jahrzehnte notwendig.

Mit der Entdeckung der ersten Erdölvorkommen in Venezuela zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwandelte sich das Land von einem zweitrangigen Kaffee- und Kakaoexporteur in ein im Zentrum imperialistischer Interessen stehenden Erdölexporteur. In den 50er Jahren bestanden Venezuelas Exporte bereits fast nur noch aus Erdöl und Eduardo Galeanos Diagnose, der Reichtum an Ressourcen sei für die Bevölkerung der südamerikanischen Staaten mehr Fluch als Segen, bewahrheitete sich abermals. Abgesehen von ausländischen Konzernen profitierte von dem Ölreichtum ausschliesslich eine kleine Schicht der Gesellschaft – für die große Mehrheit der Bevölkerung blieb nur das Elend.

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