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Teil 2: Besuch zweier landwirtschaftlicher Kooperativen

von Jakob und Manu

Die alte Zuckerrohrwalze gibt Saft (Foto: Manu)

Die letzten Tage über besuchten wir zwei Landwitschaftskooperativen in der Nähe der Stadt Barinas, im Osten Venezuelas. Das von den Kooperativen bewirtschaftete Land war im Zuge der seit 2002 begonnenen Agrarreform verstaatlicht und daraufhin an vier Kooperativen übergeben worden. Vor Beginn der bolivariansichen Revolution hatten sich Großgrundbesitzer dieses Land nach und nach immer weiter angeeignet und die dort lebenden Bauern vertrieben. Im Zuge der Entstehung der Kooperativen konnten einige von ihnen auf das vormals ihnen gehörende Land zurückkehren.

Zwei der Kooperativen sind in den ersten Jahren nach ihrer Entstehung aufgrund von internen Problemen gescheitert. Die anderen beiden haben jedoch eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht und bestehen heute aus 27 Familien, die 750 Hektar Land kollektiv bewirtschaften.

Die Kooperativen werden vom Staat stark unterstützt, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag in der Produktion von Nahrungsmitteln wie Mais, Kochbanane, Maniok, Rinderfleisch etc. für die venezolanische Bevölkerung. Innerhalb der nächsten Jahre will die Regierung die Nahrungsmittelsouveränität erreichen, ein wichtiges Thema in der venezolanischen Politik. Statt auf Großgrundbesitz und Monokulturen setzt die Regierung dabei auf kollektive Bewirtschaftung von Land und kommunale Organisationsstrukturen. Der Staat ermöglicht und unterstützt die Kooperativen durch Bereitstellung von Land, Maschinen, Infrastruktur, (Aus-)Bildung und garantiert die Abnahme der jeweiligen Produkte.

Kooperativenmitglieder erklären die Verwendung eines biologischen Mittels gegen Schädlinge (Foto: Manu)

Schwierigkeiten alternativen Wirtschaftens

Im Rahmen unseres Besuches der beiden Kooperativen konnten wir eine Keimform alternativer Produktionsweise in der Praxis kennen lernen. Der gemeinschaftliche Besitz an den Produktionsmitteln (Maschinen, Werkzeuge, Land) und die kollektive Bewirtschaftung des Landes führt zu einem praktischen Entwurf eines alternativen Wirtschaftsmodells. Kooperation, Solidarität und die Gemeinschaft stehen damit über den durch den Kapitalismus geförderten Werten wie Egoismus, Konkurrenz und Vereinzelung.

Bei all den positiven Entwicklungen in den von uns besuchten Kooperativen konnten wir jedoch ebenso die Schwierigkeiten erkennen, die durch das Scheitern der anderen beiden Kooperativen illustriert werden. In den 13 Jahren bolivarianischer Revolution konnte das kapitalistische Wirtschaftssystem in Venezuela nicht überwunden werden. Kooperativen sind dadurch häufig der gleichen Marktlogik ausgeliefert und müssen mit kapitalistischen Unternehmen konkurrieren. Zudem müssen die Menschen erst wieder erlernen, solidarisch miteinander umzugehen und nicht einfach ihren individuellen materiellen Vorteil anstreben.

Der Prozess ist daher ein Balance-Akt, indem eine solidarische Produktion den Menschen eine langfristig bessere Zukunft verspricht, gleichzeitig aber die alten Logiken in weiten Teilen fortbestehen und den Einzelnen die alten Handlungsmuster aufdrängen. Die kooperative Produktion und Verteilung kann nur dann überzeugen, wenn sie den Menschen in ihrer jeweiligen Situation auch Vorteile und ein besseres Leben bieten können. Damit dies gelingt, müssen Vorzeige-Projekte gelingen. Erst dann wird die Gesellschaft als Ganze, von Seiten des pueblos (der organisierten Bevölkerung) wie der Regierung, in einen breiten Veränderungsprozess treten können.

Ein Banner am Eingang zur Kooperative heißt die Teilnehmer eines Treffens für ökologische Landwirtschaft willkommen (Foto: Manu)

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