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Teil 1: Die venezolanische Bauernbewegung und ihre Kämpfe

von Jakob und Manu

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Eduardo (Kooperativenmitglied) erklärt die Situation der Bauernbewegung (Foto: Manu)

In ganz Venezuela entfalten Bauern eine Vielzahl politischer Aktivitäten. Ein großer Anteil von ihnen organisiert sich in der größten und aktivsten venezolanischen Bauernbewegung, der Frente Nacional Campesino Ezequiel Zamora (FNCEZ). Diese ist sehr kämpferisch und gut organisiert. Trotz oder gerade wegen über zweihundert ermordeten Bauernaktivisten in den letzten zehn Jahren ist die Bewegung am Fortschreiten der bolivarianischen Revolution in hohem Maße interessiert. Hugo Chávez und dem Prozess, den er verkörpert, sichern sie deshalb volle Unterstützung zu. Dies gilt jedoch unter der Bedingung, dass dieser auch wirklich tiefgreifende Veränderungen der Verhältnisse auf dem Land vorantreibt. Was sind das für Veränderungen die die Bewegung anstrebt und was sind ihre historischen Wurzeln?

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Herkunft und Ziele der Bauernbewegung

Die landwirtschaftiche Produktion in Venezuela war seit der Endeckung der Ölreichtümer zu Beginn des 20. Jahrhunderts rückläufig. Dies führte dazu, dass über 70% der Lebensmittel importiert werden mussten. Die Verteilung des Landes unter den Einwohnern Venezuelas spiegelte diese Situation wider. Vor der Regierungsübernahme durch Hugo Chávez gehörten 75% des Bodens 5% der Bevölkerung (1). Schon lange vor dem Beginn der bolivarianischen Revolution im Jahre 1999 organisierten sich viele Bauern in der Landbewegung, insbesondere in der Frente Nacional Campesino Ezequiel Zamora (FNCEZ). Die FNCEZ ist nach Ezequiel Zamora (1817 – 1860) benannt, einem der wichtigsten Anführer in den Befreiungskriegen Venezuelas und radikalem Gegner des Großgrundbesitzes. Mit dem Wahlsieg Chavez‘ eröffneten sich für die Bauern neue Perspektiven.

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Die Flagge der FCNEZ

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Die Bauernbewegung in der bolivarianischen Revolution

Die Wahl der neuen bolivarianischen Regierung, die sich zunehmend als sozialistisch versteht, veränderte auch die Kräfteverhältnisse zwischen Bauern und Großgrundbesitzern. Letztere fürchten seither die Rücknahme ländlicher Gebiete, die sie als die Ihrigen betrachteten, durch einzelne oder in Kooperativen organisierten Kleinbauern. In diesem Prozess flossen viele Forderungen der FNCEZ in die Politik der neuen Regierung ein. Neben Expropriationen durch den Staat, die meist Folge von Landbesetzungen sind, führte die Regierung in Folge des Gesetzes “Ley de Tierras” von 2001 eine Bodenreform durch, die die Neuverteilung des Landes zum Ziel hat. Auch die Organisierung der ländlichen Bevölkerung ist eines der Ziele der FNCEZ. Angestrebt wird dabei der Aufbau eines kommunalen Staates, der zunehmend staatliche Aufgaben übernehmen soll. Auf lokaler Ebene soll sich das pueblo (die organisierte Bevölkerung)durch die kommunalen Räte (consejos communales, CC) langfristig selbst organisieren. Meist führt dies auch zu einem neuen Verhältnis von Politik und Ökonomie. Insbesondere, wenn der CC eigene kollektive Produktionsgemeinschaften unterhält. In einigen Fällen geht die Übernahme staatlicher Aufgaben so weit, dass eigene bewaffneter Milizen aufgestellt werden.

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Probleme in der Umsetzung

Der politische Diskurs und die politischen Bedingungen in Venzuela haben sich seit der Machtübernahme druch Chávez sehr zugunsten der Bauernbeweugung und ihren Zielen verschoben. Doch die Umsetzung der Möglichkeiten, die die Gesetze bieten bleibt stark umkämpft. Die Selbstorganisierung der Bevölkerung kann nicht durch staatliche Gesetze eingeführt werden. Einerseits wird ihre Arbeit zwar oft staatlich unterstützt, andererseits können dieser auch einzelne staatliche Institutionen entgegenstehen, die nicht gewillt sind, ihre Macht abzugeben. Daneben müssen viele Aktivisten der FNCEZ aber auch noch ganz anderen Bedrohungen erleiden. Alte Landbesitzer trachten stehts danach diese Selbstorganisierung zurückzudrängen. Seit 2002 ließen sie 214 Bauernaktivisten ermorden (2).

…weiter mit Teil 2

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